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Der tiefste See der Welt

     Mitten in Sibirien, zwischen Steppe und Taiga erstreckt sich der See sichelförmig über eine Länge von 637 km (etwa die Strecke München – Hannover) . Der Baikal ist der See der Superlative, er ist der grösste- die Gesamtflaeche des Sees beträgt 31 500 km², der tiefste – 1637 m, der älteste - mehr als 25 Mio Jahre alt und der schönste, wenigstens für uns, die wir seine Ufer besiedeln.
     Der See enthält mehr Wasser als die fünf grossen nordamerikanischen Seen zusammen, und tausendmal mehr als der Bodensee. Der Baikal allein könnte den Trinkbedarf der Weltbevölkerung für 50 Jahre decken.
     Man nennt ihn “Heiliges Meer”, “Brunnen des Planeten”, “ Perle Sibiriens” und mit Recht. Der Baikal gleicht einem Meer, gilt der Bevölkerung als heilig und ist ein Tummelplatz für Wissenschaftler aus aller Welt.

Das heilige Meer

      Mehr als 300 Flüsse und Bäche strömen aus den umliegenden Bergen in den Baikal, doch gibt es nur einen einzigen Abfluss, die Angara an der Südspitze des Sees. Die grössten Zuflüsse sind die Selenga, der Barguzin und die Goloustnaja. Das Selenga-Delta nimmt die Fläche von 546 Quadratkilometern. Es beherbergt ein riesiges Reservat für unzählige Vogelarten. Dieses weiträumige Gebiet mit der Vielfalt der dort lebenden Vogelwelt dient als Brut- und Rastgebiet für zahlreiche Wasservogelarten sowie auch für viele Zugvögel. Das Delta ist sehr günstig für Vögel als Futterquelle, weil es auf vielen umliegenden Inseln viele Fische und Insekten gibt. Zur Herbstzeit ziehen durch das Selenga-Delta über 5-7 Mio Vögel: Störche, Schwäne, silberne Möwen, Kibitze, Rohrdommeln, Sperlinge und noch eine Menge seltener Vogelarten.

     Das besondere Klima des Baikal gibt bis heute viele Rätsel auf. Obwohl der See im Herzen Sibiriens liegt und die Temperatur hier im Winter bis 40 Grad unter Null fällt und die jährliche Durchschnittstemperatur im Minusbereich liegt, werden am Baikal mehr Sonnentage gezählt als in den Kurorten auf der Krim, die Sonne scheint an 280 Tagen im Jahr.
     Der Baikal fasziniert zu jeder Jahreszeit: majestätische Meeresstille vor den schneebedeckten Gipfeln am Horizont im Sommer, buntes Blätterspiel, unberechenbare Winde und stürmischer Wellengang im Herbst. Man zählt und unterscheidet 30 verschiedene Winde am Baikal.

     Die Vielfalt der Naturerscheinungen am See ist beeindruckend: seltene Mondregenbogen, starke Stürme, Luftspielungen über dem See, warme Quellen, die im Winter an manchen Stellen das dicke Eis offenhalten, während einige Meter daneben minus 40 Grad herrschen. Im Spätherbst friert der See zu und beindruckt im Winter durch bizzare Eisgebilde auf der Oberfläche..
     Der Frühling kommt mit Tauwetter und urwüchsigen Eisbruch. Die flachen Buchten gefrieren Ende Oktober, die Seemitte Anfang Januar. Die Dicke des Eises schwänkt zwischen 70 und 110 Zentimetern, so dass man den See im Winter nicht nur auf Skiern, sondern auch im Auto und LKW überqueren kann. Auch Eisangeln ist am See sehr beliebt.



Flora und Fauna der Baikalregion

     Der See und seine Uferzone bilden zusammen ein komplexes Ökosystem. Im See und seinem Uferbereich existieren ca. 2500 Pflanzen- und Tierarten. Etwa 60% der Tierarten und 15% der Pflanzenarten sind endemisch, das bedeutet, sie kommen ausschliesslich hier vor.
     Im See leben 1500 Tierarten, zwei Drittel davon kommen nur im Baikal vor, gleiches trifft auf die Pflanzenwelt zu.
     Die Lebenswelt des Baikal ist sehr eng an die hohe Wasserqualität gebunden. Das wird besonders an den ca. 230 Flohkrebsarten deutlich, die 90% der Biomasse des Sees ausmachen und eine Sonderstellung im Ökosystem des Sees einnehmen. Vor allem Epischura - die Krebse zeichnen sich durch ihre hohe Filterleistung aus. Sie filtern täglich etwa 83 Kubikkilometer Wasser und bilden damit ein einmalig leistungsfähiges Selbstreinigungssystem. Damit sorgen sie einerseits für die Reinheit des Seewassers und stellen ausserdem als Hauptnahrung zahlreicher Fischarten ein wichtiges Glied der Nahrungskette dar. Auf einen Quadratkilometer der Seeoberfläche wurden bis zu drei Millionen Epischura gezählt.

      Einige Teile der Biomasse im See sind der Wissenschaft bis heute unbekannt. Als Nahrung fressen sie organische Stoffe die nicht aus Photosynthese, sondern aus Chemisynthese entstehen. Derartige Biomassen waren typisch für Ozeane. Vermutlich vergleicht man den Baikal zurecht mit einem Ozean.
      Es gibt im See über 53 Fischarten, die zu 13 Familien angehören. 27 dieser Arten gelten als endemisch. Zu den bekanntesten Exemplaren gehört der Baikalskiy Omul (coregonus autumnalis migratorius Georgy), dieser lachsartige Fisch, ähnelt dem Bodenseefelchen im Geschmack. Diesen Fisch untersuchte und beschrieb als erster der deutsche Erforscher Georgi (1775), der 3 Artengruppen des Omul unterschied. Insgesamt gibt es über 13 Fangfischarten.
     Für den See ist auch noch der Baikalstör „Osjotr“ Baikalsky charakteristisch, der auch Kaviar liefern kann. Heute bestehen Fangverbote für den Baikal-Stör, weil die Bestände zurückgehen. Der Stör kann hier bis zu 1.80 m Länge und 150 kg Gewicht erreichen. Was Gewicht und Größe anbetrifft, nimmt der Tajmen (Hucho taimen Pall) nach dem Stör mit 2 m und 50 kg den 2. Platz ein.


- Die Grenzen des Weltnaturerbes
-Die Stadte, die aus der Liste des Weltnaturerbes ausgeschlossen wurden
1 - Severobaikalsk,   2 - Selenginsk
3 - Babuschkin,   4 - Baikalsk
5 - Sljudanka,  

     Von besonderem zoologischen Interesse sind die Baikalrobben (Phoca sibirica), die im russischem als "Baikalskiy Tjulen" oder "Nerpa" bezeichnet werden. Die erwachsenen Robben erreichen ein Gewicht von über 130 kg und werden bis zu 1,7 Meter gross. Die Robben gehören auch zu den Rätseln des Sees. Wie sie in den Baikal gelangt sind, ist bis heute nicht mit Sicherheit erwiesen. Die Wissenschaftler vermuten schon seit langem, dass während der Eiszeit die Nerpa aus dem Eismeer durch die Flüsse Jenisej und Angara in den Baikal gewandert sind. Andere Forscher meinen, dass sie durch den Fluss Lena zum Baikal gelangt sind, eine dritte Gruppe vertritt die Theorie eines geheimnissvollen unterirdischen Kanals, der den Baikalsee mit den Nordmeer verbinden soll. Aber bislang gibt es keine Beweise für diese Hypothese.
     Die Nerpas kommen im nordlichen und mittleren Teil des Baikals vor, im Winter sind sie an Stellen gebunden, an denen das Eis durch die heißen Quellen auftaut, um Luft zu holen zu können. Nach Untersuchungen des Limnologischen Institutes können Baikalrobben 40-50 Jahre alt werden.
     Nach Schätzungen sollen früher etwa 30 000 Exemplare der Robben im See gelebt haben, heute sind es nur noch 3000. In den 80 er Jahren wurde die Zahl der Nerpas durch eine ungeklärte Viruserkrankung stark reduziert.
     Die erste wissenschaftliche Untersuchung über die Baikalrobben, die seither auch seinen Namen tragen, veröffentlichte 1747 der deutsche Naturhistoriker und Arzt J.G. Gmelin, und mit der wissenschaftlichen Erforschung der Fischwelt des Baikalsees befasste sich als erster J.J. Georgi, der ein Jahr lang (1771-1772) fast den ganzen Baikal befuhr.
     Im Baikalbassin gibt es zur Zeit etwa 65 Säugetierarten, über 300 Vögelarten, 6 Kriechtierarten und mehr als 5 Amphibiatypen. In der Baikalregion ist für die Fauna auch die Vielfalt von Tierarten kennzeichnend. Eine besondere Erscheinung sind in der Taiga sibirische Rehe, Zobel, Weißhasen und Rentiere. Auf der roten Liste stehen
     28 Arten, 6 davon sind bedroht.
     Der daurische Igel
     der rote Wolf
     der Eisbär
     und die Manulkatze.
     Die Vogelwelt ist sehr vielfätig, sie schließt 358 Arten ein, darunter 261 Netzvoögel, 36 Zugvögel und 9 – Wintervögel.
     Die seltenen und bedroheten Arten sind:
     der Steppenadler
     der Berkut
     der Orlan-belochwost
     der Schwarzer Kranich
     der Drofa
     die Mongolischer Lerche
     und der Krasawka

     Aufgrund von unterschiedlichen Faktoren reduziert sich die Zahl vieler, auch antrophogenischer, Vogelarten stark.
     In der Flora des Baikalbassins ist eine Reihe von endemischen und relikten Arten vertreten. Die trockene und warme Westküste, ist von Fichten - und Wäldern bedeckt. An der Ostküste gibt es vorwiegend Nadelwälder aus Fichten, Zedern und auch sibirischen Fichtenbäumen.
     Insgesamt sind 64% des Territoriums der burjatischen Republik von Wäldern bedeckt, besonders bekannte Arten sind
     die Gmelinfichte
     die Sibirischer Zeder
     die Blaufichte
     und die Kiefer, die 20% des ganzen Terrotoriums bedeckt.
     Die Zharki-Blume ist das Wahrzeichen des Baikalsees. Sie ist überall anzutreffen: am Ufer des Sees genauso wie hoch in den Bergen, ohne diese Blumen ist unser Sommer kaum vorstellbar. Es gibt schöne burjatische Lieder, die diese Blume mit der Lotus-Blume vergleichen, die im Buddhismus das Symbol der Reinheit ist.
     Eine andere Blume, die mit unserer Region verbunden wird, ist der daurische Rhododendron, mit dessen wunderbarem Duft und seiner besonderen Schönheit.

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