[Der tiefste See der Welt] [Schmerz und Sorgen um den Baikal] [Aus der Geschichte der Baikalprobleme]
[Das Baikal - Gesetz] [Information für Fachleute] [Im Spiegel der internationalen Zusammenarbeit]
[Wir leben am Baikalsee] [Massenmedien und Öffentlichkeit für den Baikal] [Erholung am Baikalsee]
[Mythen und Legenden über den Baikal] [Einladung zur Zusammenarbeit] [Wissenstotto über den Baikal]
[Schreiben Sie an uns] [Site-Liste] [HOME]

Mythen und Legenden über den Baikal

      Die Millionenjahre lange Geschichte des Baikalsees ist von vielen Mythen, Sagen und Märchen umwoben, die die reichhaltige Folklore der Bewohner des Sees bewahren. Sie werden von Mund zu Mund, von einer Generation zur anderen weitergegeben, meist in ihrer Urfassung.

Legende über die Entstehung des Baikal

     Früher erzählten die Alten Geschichten wie diese darüber wie der Baikalsee entstand.
     Es gibt nicht allzuviel Erde auf der Erde. Jederman weiß, daß man nicht sonderlich tief zu graben braucht, um nur noch auf Sand, Kies, steine, Lehm und andere Materialien zu stoßen. Und je tiefer man gräbt, desto steiniger wird der Boden, bis der Boden dann nur noch aus Steinen besteht. Gräbt man noch tiefer dann trifft man am Ende auf das Grundwasser. Tief unter der Erde findet man ganz andere Steine als an der Oberfläche. Zum Beispiel Steine, die glühend heiß werden und brechen, sobald Sie mit Wasser in Berührung kommen. Von diesen Steinen gibt es eine Menge unter der Erde, viel mehr als an der Erdoberfläche. Vor Tausenden von Jahren, so erzählt uns die Legende kamen eben diese Steine tief unter der Erde mit Wasser in Berührung und wurden heißer und heißer. Das Wasser begann zu kochen, doch der Wasserdampf konnte nicht entweichen. Der Dampf wanderte von einer Seite zur anderen und verdrängte die Erde und erschütterte den ganzen Boden. Der Dampf kämpfte sich einen Weg nach oben zur Oberfläche und hinterließ gleichzeitig ein Loch, in das der Boden nachrutschte. Als der Dampf abgekühlte wurde das Wasser wieder flüssig und bedeckte all die tiefen Stellen, bis zu den Bergen, wo der Weg für das Wasser endete und so war ein riesiger See entstanden, der Baikalsee. Dem See wird nachgesagt, mit dem Arktischen Ocean verwandt zu sein, und es gibt viele Geschichten über Boote die im Baikalsee gesunken sind und im Arktischen Ozean wiedergefunden wurden und umgekehrt.

Legende vom Grabenbruch am Baikal: "Prowal"

     Der Grabenbruch am Baikalsee war eine der schlimmsten Naturkatastrophen die sich hier je zugetragen haben. Mein Vater hat mir die Geschichte immer wieder erzählt die er selbst erlebt hat. Viele Menschen sind an jenem denkwürdigen Januartag im Jahre 1862 umgekommen oder zu Krüppeln geworden und haben so das ganze Dorf noch Jahre später an die schrecklichen Ereignisse erinnert. Viele hatten alles verloren was sie besaßen, manche sogar den Verstand, weil sie mit dem Leid das über sie gekommen war nicht fertig wurden. Es war ein einschneidendes Ereignis, das das Leben einer ganzen Generation der Dorfbewohner grundlegend veränderte.
     Die Menschen hatten alles verloren und wußten nicht wohin sie gehen, oder ob es überhaupt weitergehen würde. Der Glaube an Gott wurde erschüttert von dem ungerechten Leid, das die sie erfahren mußten. Diejenigen, die vorher glaubten, alles sei Gottes Werk begannen an ihrer Überzeugung zu zweifeln, und wirr, das einfache Volk begannen zu verstehen, daß die Berge, Flüsse, Seen und Meere dieser Erde nicht von Gott geschaffen wurden sondern durch die Natur entstanden. Und wir mußten lernen, daß die Natur die stärkste Kraft ist, gegen die der Mensch nichts ausrichten kann. Nach dem Erdbeben und dem Grabenbruch begannen die Leute sich einen Reim darauf zu machen, wie der Baikal entstanden sein könnte und daß der See das Resultat eines ähnlichen Erdbebens sein könnte. Die Alten erzählten, daß es Feuer- und Wassersäulen inmitten der Hügel gegeben habe, und daß das Wasser alle Täler und bildete so den Baikalsee.

Legende von der Insel Olchon

     Nicht alles, was uns Sagen und Märchen weismachen wollen ist auch wirklich wahr. So glaubten die Menschen früher, die ganze Erde sei von Gott geschaffen, wie es in der Heiligen Schrift geschrieben steht. Aber manch einer begriff auch, daß nicht alles eine Gabe Gottes war. Nehmen wir zum Beispiel die Insel Olchen, die ganz gewisslich kein Geschenk Gottes ist sondern natürlich entstanden ist. Die Insel konnte nicht vom Himmel fallen, der Gott hätte keine Kräfte dazu, so groß war doch die Insel. Daraus, so meinte man, folgte, Olchon sei Naturkind, Naturerscheinung, nichts sonstiges.
      Nach dem Erdbruch entstand ein so großes Loch, das vom Wasser gefüllt war, alles vom Wasser überflutet, Millionen Jahre vergingen, starke Winde trieben in diesen langen Jahren so viel Stein und Kiesel, aber die Wasserwellen konnten dieses Gestein nicht bis zu den Ufern treiben. So entstand ein großer Haufen von Stein und Sand und mit den Jahren glätteten die Wasserwellen diesen Berg, so entstand ein Flachland, das den Namen Olchon bekam. Aber die Wellen waren ab und zu entweder so hoch, oder zu niedrig, darum ist die Ostküste steil und etwas höher, als der restliche Teil, aber auch insgesamt ist das Relief sehr hügelig, das ist von den Wasserwellen des Sees geformt. Die Alten bemerkten, die Insel kannte ein Jahr höher liegen, ein anderes Jahr versinken. Das hängt davon ab, wieviel Wasser aus dem Erdbrunnen nach oben steigt. So erklärt man im Volksmunde die sinkende, schwimmende Insellage: viel Wasser erhöhen die Insel, sie ragt hervor, weniger Wasser, dann geht die Insel nieder, aber so unmerklich, daß die Leute es nicht merken, nur die weisen Alten wissen, das hängt vom Untergrundwasser ab. Eine durchgängige Höhle mit zwei Ausgängen bot das plötzliche Erscheinen und Verschwinden der Insel. Aus Aberglauben meinte man, die bösen Geister, wenn sie auf der Insel erscheinen, treiben die Wellen und den Wind so stark, daß die Insel, dieses einzige Festland auf dem See, schwebt. Erst später, nach vielen Jahren, verstanden die Leute, das Schweben sei vom Storm, vom starken Wind, d.h. von der Natur angetan. Als die ersten bemerkten das die Burjaten, weil sie diese Insel als die ersten bewohnten, sie nannten die Insel Olchon, was auf burjatisch „trocken“ bedeutet. Das Klima war zu jenen Zeiten trocken, es regnete im Sommer selten.



Copyright © 2000, Baikal Information Center "Gran´"
Hosting by Information Systems of Buryatia
Design and programming by Pinbol